
Fotos & Text: Alexander Konopka
Nach über 100 TFP-Shootings weiß ich: Die besten Bilder entstehen, wenn ein paar Dinge schon vor dem ersten Auslösen stimmen. Es beginnt bei der ersten Nachricht, geht über den gut gepackten Koffer und endet bei ein paar Fragen, die man am besten früh klärt.
TFP heißt: Fotograf und Model arbeiten ohne Honorar, beide bekommen die Ergebnisse. Die meisten TFP-Shootings sehen so aus: ein Fotograf, ein Model, manchmal jemand für Make-up – oft Menschen, die noch wenige Shootings hatten. Aus diesem Umfeld kommen die Beispiele hier.
Wie sieht eine gute Anfrage aus?
Die meisten Shootings beginnen damit, dass ein Model mich anschreibt. An dieser ersten Nachricht sehe ich oft schon, dass ein Shooting gut wird.
Was richtig stark wirkt: jemand, der erkennbar die Website angeschaut hat und etwas über sich selbst erzählt. Ein junger Mann meldete sich einmal für sein erstes Shooting überhaupt. Aus seinem Anschreiben ging hervor, dass er sich mit meiner Art zu fotografieren beschäftigt und die Website gelesen hatte – allein das ist selten und freut mich jedes Mal. Dazu hatte er einen echten Anlass: Er hatte zuvor sein Leben umgestellt, Ernährung und Sport, und wollte diesen neuen Abschnitt festhalten.

Auch Informationen über die eigene Person helfen mir, eine Anfrage einzuordnen. Bei einem anderen Model kam direkt die komplette Schauspieler-Vita mit – Filmprofil, Showreel, Demomaterial, alles durchdacht zusammengestellt. Bei so viel Mühe und Professionalität habe ich sofort zugesagt.
Zwei Dinge machen eine Anfrage rund. Das erste ist ein Bild vom Model selbst – ein, zwei aktuelle Fotos reichen. Ohne ein Bild kann ich nicht einschätzen, ob und wie sich ein Konzept mit dem Model umsetzen lässt. Das zweite ist eine Idee oder eine Richtung. Die bloße Frage, ob man jemanden fotografieren möchte, lässt offen, worum es eigentlich geht.
Viel besser ist eine konkrete Vorstellung, eine Stimmung oder ein paar Beispielbilder – und zwar solche, die zum Model passen und zu dem, was es einbringen kann. Ein Model hatte zum Beispiel Wasser-Aufnahmen gesehen – Tropfen auf der Haut, nasse Haare – und genau das angefragt. Für mich war es eine willkommene Idee, die mein Portfolio um eine neue Richtung erweitert hat.

Was dagegen nicht weiterhilft, kenne ich auch: eine Nachricht über Instagram, deren Profil nicht öffentlich ist, sodass ich nichts sehen kann. Oder eine E-Mail ganz ohne Angaben zur Person. Damit das gar nicht erst passiert, habe ich mein Kontaktformular so aufgebaut, dass es genau durch diese Punkte führt: ein, zwei Fotos hochladen (oder ein öffentliches Profil angeben), die Stilrichtung anklicken, kurz die eigene Idee schildern. Wer das ausfüllt, hat fast automatisch eine gute Anfrage geschrieben.
Eines sollte außerdem von Anfang an klar sein: TFP ist ein gemeinsames Projekt. Mehrfach haben mich Anfragen erreicht, in denen sich jemand gerade selbstständig machte und kostenlose Bilder für Website und Social Media suchte. Das ist völlig legitim – nur ist es ein bezahlter Auftrag und kein TFP.
Was anziehen – und mitbringen?
Outfits entscheiden viel über ein Shooting – und hier lohnt sich Großzügigkeit.
Am angenehmsten sind die Models, die mit Auswahl kommen. Eines brachte einen großen Reisekoffer und zusätzlich einen Rucksack mit – mehrere Kleider, Hosen, Oberteile und mehrere Paar High Heels. Aus so einer Auswahl entsteht eine abwechslungsreiche Serie ganz von selbst.

Ein anderes kam sogar mit einem kompletten Latexoutfit, für das extra eine zweite Person zum Ankleiden dabei war. Das muss niemand leisten – aber es zeigt, mit welcher Ernsthaftigkeit jemand an die Sache geht.
Hilfreich ist außerdem, lieber ein Outfit zu viel mitzunehmen als eins zu wenig. Einmal zeigte ein Referenzbild eine sehr kurze Jeans-Hotpants – mitgebracht wurde dann nur eine knielange Jeans und keine weiteren Outfits.
Das geplante Bild ließ sich so nicht umsetzen, und für Abwechslung fehlte das Material. Das Referenz-Outfit muss nicht exakt dasselbe Stück sein, aber etwas, das ihm nahekommt, sollte dabei sein – und idealerweise noch zwei, drei Alternativen. Je mehr Material, desto abwechslungsreicher wird die Serie.
Und ein kleiner Tipp, der fast immer hilft: Accessoires. Eine Sonnenbrille, eine Mütze, ein Schal, ein Hut, eine Tasche, eine Uhr – irgendetwas, das den Händen eine Aufgabe gibt. Viele Bilder werden erst dadurch interessant, und nebenbei verschwindet die häufige Frage, wohin eigentlich mit den Händen.
Den Ort mitbestimmen
Ein Vorschlag fürs Setting darf gern vom Model kommen. Eine Location, an der es sich wohlfühlt, verändert die Ausstrahlung und damit die Bilder. Ein erfahrenes Model hat mir einmal einen See in Soest vorgeschlagen und gleich die Idee mitgebracht, mit Blumen und einem kleinen Spiegel zu arbeiten – daraus wurde eine der schönsten Outdoor-Serien, und ich habe eine Location kennengelernt, die ich seitdem öfter nutze. Wichtig ist nur, dass der Ort für beide gut erreichbar bleibt.

Vorher kennenlernen
Bevor man jemanden anfragt, lohnt ein kurzer Blick: Findet man den Fotografen mit Namen und Adresse, gibt es eine Website mit Bildern von ihm selbst, Google-Bewertungen, Making-of-Videos, verlinken ihn Models auf Instagram? Wer von anderen getaggt wird und gute Bewertungen hat, war für andere ein verlässlicher Partner.
Vor dem ersten Shooting biete ich gern ein Vorgespräch an – ein Café in Soest oder ein kurzer Besuch im Studio. Das nimmt beiden Seiten die Anspannung, und man klärt Stil, Stimmung, Location und die grobe Bildidee in Ruhe. Wer sich einmal gesprochen hat, geht entspannter ins Shooting, und die Bilder werden besser.
Eine Begleitperson – wenn sie passt
Eine Begleitperson ist keine Frage von Vertrauen, sondern von Planung. Wichtig ist, vorher zu sagen, wer mitkommt. Eine gute Freundin oder ein guter Freund, der unterstützt, eignet sich dafür meist besser als der Partner – der lenkt manchmal eher ab. Manchmal erledigt sich die Frage von selbst: Bei einem Shooting kamen zwei befreundete Models gemeinsam – sie waren sich gegenseitig die Begleitung, und die Stimmung im Studio war von der ersten Minute an entspannt.

Es gibt auch die Variante, gebracht und wieder abgeholt zu werden, ohne dass jemand beim Shooting dabei ist. Das gibt Sicherheit, ohne den Ablauf zu stören.
Ein weiteres Argument für eine Begleitperson: Sie kann Making-of-Aufnahmen machen. Über solches Material freuen sich Fotografen oft, und auch das Model kann die Aufnahmen gut gebrauchen – etwa für die eigenen sozialen Medien.
Warum Zuverlässigkeit so viel wert ist
Verlässlichkeit ist in der TFP-Szene die beste Empfehlung. Wer Termine einhält, gut erreichbar ist und vorbereitet kommt, wird weiterempfohlen – denn Fotografen reden miteinander. Mit einigen Models habe ich über die Jahre mehrfach gearbeitet, weil auf sie immer Verlass war – aus einem ersten Shooting wurden so viele weitere.
Zur Verlässlichkeit gehört auch, kurz vor dem Termin nichts zu unternehmen, das eine Absage nötig machen könnte. Ein Model ließ sich am Tag vor dem Shooting ein Bauchnabel-Piercing stechen und musste am Morgen wegen der Schmerzen absagen. Was sich auf den Termin auswirken kann, plant man besser mit etwas Abstand.
Das alles hat übrigens nichts mit Erfahrung zu tun: Ein Model, das am Anfang steht und auf das Verlass ist, ist genauso eine Freude wie ein eingespielter Profi.
Wohin dürfen die Bilder?
Beim TFP-Tausch bekommt der Fotograf das Recht, die Bilder zu veröffentlichen – das ist Teil des gemeinsamen Modells. Für viele ist die Veröffentlichung sogar der Sinn der Sache: Ein Male-Model, mit dem ich gearbeitet habe, ist als Fußball- und Mental-Coach aktiv, tritt unter seinem Klarnamen auf und nutzt die Bilder selbstverständlich für seine Präsenz auf Instagram.

Worüber man sich vorher trotzdem Gedanken machen sollte: Ein Bild bleibt, das Leben verändert sich. Was heute gut ins eigene Leben passt, kann sich nach Jahren anders anfühlen – durch eine neue Lebensphase, ein neues Umfeld, einen veränderten Blick auf sich selbst. Ein Model wollte später ältere Bilder nicht mehr online haben, weil sein neues Aussehen nach einer Veränderung nicht mehr zu den alten Fotos passte. Genau deshalb lohnt es sich, vorher in Ruhe zu klären, was wo veröffentlicht wird.
Daher gibt es vor jedem TFP-Shooting einen schriftlichen Vertrag – er schützt beide Seiten. Darin steht, was veröffentlicht werden darf und wo (Website, Social Media, Print), ob die Bilder an Dritte weitergegeben werden und wie lange die Nutzung gilt – meist zeitlich unbegrenzt. Wie genau jemand mit dem Vertrag umgeht, ist ganz unterschiedlich. Manche bringen ihn schon ausgedruckt und unterschrieben von meiner Website mit, andere lesen ihn vor Ort in Ruhe durch, und wieder andere nehmen ihr Exemplar am Ende nicht einmal mit.
Damit Models gut vorbereitet ins erste Shooting gehen, habe ich aus all diesen Erfahrungen einen TFP-Guide für Models geschrieben – mit dem vollständigen Ablauf von der ersten Anfrage über den Vertrag und die Rechte bis zu Checklisten und einem FAQ. Dieser Artikel zeigt die wichtigsten Punkte an Beispielen; der Guide ist das ausführliche Nachschlagewerk dazu. Den vollständigen Guide gibt es hier: alexanderkonopka.de/blog/tfp-fotoshooting-guide-model/
„Ein gutes TFP-Shooting beginnt nicht mit dem ersten Bild, sondern mit der ersten Nachricht.“
Über den Autor
Alexander Konopka ist Fotograf aus Soest und arbeitet seit 2015 ausschließlich auf TFP-Basis – von Portrait über Sensual bis Fantasy, Cosplay und Auto. In über 100 Shootings hat er gelernt, dass die besten Bilder dort entstehen, wo beide Seiten von Anfang an wissen, worauf sie sich freuen. Sein Profil und seine Arbeiten gibt es auf alexanderkonopka.de. Bewusst ist er auch auf tfpshootings.de/profil/alexander-401/ gelistet, weil eine reine TFP-Plattform zu seiner Arbeitsweise passt.

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